24 tur heraus; man erkannte den ſanften friedfertigen Sportelſchreiber nicht mehr; und er ward ordentlich pikirt und warf mit Stachelreden um ſich. Um aber von ſeiner Behauptung in Betreff ſeiner dauerhaften Bruſt den thatſächlichſten Beweis zu geben, lief Kappler im Sommer und Winter alle Abende ſieben Uhr nach überſtandener Eppeditionszeit anderthalb Stunde ge⸗ gen den Wind. Im Sommer ging die Reiſe regel⸗ mäßig zum Kloſterthore hinaus bis an die Ruinen des Benedictinerkloſters; im Winter, wo es zeitig finſter ward, wagte er ſich nicht ſo weit, ſondern rannte fünfmal um die Stadt; worauf er ſich regelmäßig Punkt halb Neun auf dem Keller einfand, zuweilen noch keuchend und ganz erſchöpft.
Lange wird es nicht wieder einen ſo zufriedenen Menſchen geben, als unſern Kappler. Er hatte in ſeinem Leben eigentlich nur zwei wahrhafte Herzens⸗ wünſche gehabt, wovon ihm der eine bereits in Er⸗ füllung gegangen; nämlich er war Sportelſchreiber geworden. Der andere Herzenswunſch beſtand darin, ein wenig corpulenter zu werden. Unſer Kappler war nicht neidiſch, das konnte ihm ſein Feind, wenn er einen ſolchen gehabt hätte, nicht nachſagen; aber wenn er den Senator Klopfleiſch, einen in ganz Neukirchen wegen ſeiner Wohlbeleibtheit bekannten Mann, über den Marktplatz mehr kollern als gehen ſah, ſo ent⸗ wandte ſich ein leiſer Seufzer ſeiner Bruſt und er dachte für ſich: Ach, könnte doch dieſer dir Etwas abgeben!
Kappler hatte im Stillen die leiſe Hoffnung ge⸗ nährt, der liebe Gott, der ſo gnädig geweſen, ihm die Sportelſchreiberei zu verleihen, werde ihm auch am Leibe etwas zulegen, nach Analogie des alten Sprüchworts:„Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt


