Teil eines Werkes 
6. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 1. Theil (1853)
Entstehung
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große, aber wohlbeleibte Frau. Ihre Küche gilt für die beſte, ihr Weinlager kann man berühmt nennen; die Biere ſind friſch und klar und die Bedienung freundlich und prompt.

Madame Kliemann genießt daher eines wohlver⸗ dienten Rufs und faſt kein Fremder beſucht Neukirchen, der nicht der Rathskellerpachterin ſeinen Beſuch ab⸗ ſtattete. Sie wird nach dem Tode ihres Mannes, der vor dem Kellerpachte das edle Handwerk der Horn⸗ drechslerei betrieb, in ihrer Wirthſchaft von zwei hüb⸗ ſchen, freundlichen Nichten hülfreichſt unterſtüßzt.

Madame Kliemann hat ſich ſchon zur Zeit des letzten Kriegs, wo ſie die Verpflegung der feindlichen Einquartierung beſorgte, um Neukirchen höchlich ver⸗ dient gemacht; ihre Stimme galt ſogar in der Raths⸗ verſammlung, wenn dieſe um Rath verlegen war. Kurz, ſie kann mit Recht der Napoleon unter den Rathskellerpachterinnen unſrer Zeit genannt werden.

Das Städtchen Neukirchen iſt wegen ſeiner höchſt angenehmen Lage unter allen Provinzialſtädten weit und breit bekannt. Man kann zu einem Thore hin⸗ ausgehen, zu welchem man will, überall treten an⸗ muthige Partieen entgegen. Paſſirt man das Klo⸗ ſterthor, ſo führt ein höchſt lieblicher Erlengang längſt der Werla aufwärts nach den bereits erwähnten Rui⸗ nen des Benedietinerkloſters. Vom Schloßthor aus geht der Weg über die geräumige Werlabrücke nach den gegenüber befindlichen Waldbergen, in welchen es

romantiſche Spaziergänge die Menge gibt. Das Wie⸗

ſenthor führt den Fluß abwärts zwiſchen Bergen nach dem ſehr maleriſch gelegenen Schloſſe Ehrenberg, das der freiherrlichen Familie von Löwenſtern gehört und auf hoher umwaldeter Felſenſtirn ſich majeſtätiſch in den Wellen der Werla ſpiegelt.