Teil eines Werkes 
6. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 1. Theil (1853)
Entstehung
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Auch die Partieen in der nächſten Nähe der Stadt ſind in freundlichem Style angelegt. Rings um Neu⸗ kirchen zieht ſich eine ſchöne Lindenallee, die einen ſchattigen und angenehmen Spaziergang darbietet.

Alle dieſe erwähnten Vorzüge des gewerbtreibenden Städtchens, ſo wie auch das wenig koſtſpielige Leben daſelbſt, ſind die Urſache, daß ſich mehrere achtbare aber wenig begüterte Familien, darunter die meiſten dem adeligen Stande angehörend, in Neukirchen an⸗ geſiedelt haben, wo denn allerdings die nächſte Folge war, daß ſich ein Kaſtengeiſt gebildet hat, der dem menſchlichen und insbeſondere dem deutſchen Charakter ſo eigenthümlich iſt.

Es kann nicht Wunder nehmen, wenn ſich in den geſellſchaftlichen Verhältniſſen Neukirchens alle jene lä⸗ cherlichen Abnormitäten, welche das Kaſtenthum mit ſich bringt, in reichem Maaße vorfinden. Da gibt es außer dem gewerbtreibenden ehrwürdigen Bürgerſtande vor allen Dingen das durch ganz Deutſchland weit⸗ hin wohnende Geſchlecht der Honoratioren. Ver⸗ gebens haben ſich tiefſinnige Grübler das Gehirn zer⸗ arbeitet, um die feine Linie ausfindig zu machen, welche der eigenſinnige Weltgeiſt zwiſchen den Honvrativren und Nichthonoratioren gezogen hat. Der Uebergang, wo der Nichthonorativre aufhört und Honoratiore an⸗ fängt, iſt ſo ſubtil, daß er dem menſchlichen Auge faſt unſichtbar iſt.

Schüttet man die Honvrativren einer Stadt in ein Sieb und ſchüttelt und rührt, ſo fallen die bür⸗ gerlichen Beſtandtheile allmälig wie Spreu hindurch und man erhält eine neue Claſſe der Geſellſchaft, den Adel, nur äußerſt dünn gemiſcht mit hochgeſtellten bür⸗ gerlichen Staatsbeamten. Wird dieſe Claſſe nochmals filtrirt, ſo erſcheint etwas ganz Feines, die ſogenannte