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Städten des Landes, war auch über die nenkirchner ſtädtiſchen Behörden und namentlich über den Stadt⸗ rath der Sturm der Neuerungen hereingebrochen. Der alte Rath mußte wie ſo viele ſeiner Collegen im deut⸗ ſchen Lande ſein Haupt neigen und die ſogenannte li⸗ berale oder Volkspartei trat an ſeine Stelle. Einen Haupturheber dieſer politiſchen Umwälzung werden wir ſpäter kennen lernen, denn den neukirchner Bürgern wäre es wie den meiſten Deutſchen nicht in den Sinn gekommen, Revolution zu machen, wenn nicht bös⸗ willige und neuerungsſüchtige Leute an der Spitze geſtanden und die verführbaren Quiriten zu ordnungs⸗ widriger Widerſpenſtigkeit verleitet hätten.
Steigen wir endlich die ziemlich breite Rathhaus⸗ treppe noch tiefer hinab, ſo gelangen wir in das Erd⸗ geſchoß, in die Räume des berühmten und beliebten und darum ſehr zahlreich beſuchten Rathskellers. Un⸗ ter Keller iſt hier nicht etwa ein unterirdiſches, dunk⸗ les Gewölbe zu verſtehen, wo Faß an Faß in ſtiller Nacht neben einander liegen oder in den Winkeln die geſegnete Kartoffel und andre Feldfrüchte hoch aufge⸗ ſpeichert ruhen; ſondern dieſer Ausdruck bezeichnet überhaupt eine Schankwirthſchaft, wie wir ſie in dem Erdgeſchoß manches deutſchen Rathhauſes vorfinden. Den Deutſchen, ſo weit die Geſchichte reicht, ein trink⸗ luſtiges Volk, gingen ihre Rathsherren nicht blos in der Weisheit, ſondern auch im Trinken mit gutem Beiſpiele voran. Daher wohl die bedeutſame Nähe des Rathskellers mit der Rathsſeſſionſtube.
Was inſonderheit den Rathskeller von Nenkirchen betrifft, ſo ſucht dieſer ſeit einer Reihe von Jahren ſeines Gleichen in weiter Runde; an dieſem Umſtande iſt Niemand ſchuld, als die Rathskellerpachterin da⸗ ſelbſt, Dorothea Kliemann, eine rüſtige, rührige, nicht


