Teil eines Werkes 
6. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 1. Theil (1853)
Entstehung
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melancholiſchen, langgezogenen Tönen hernieder. Wie⸗ wohl dem Thürmer wiederholt von Raths wegen iſt bedeutet worden, ſich in ſeinem Schmerz zu moderiren und den Verluſt ſeiner Frau als Mann zu tragen, ſo kann ſich Sperrhaake nicht helfen und dutet nach wie vor am jedesmaligen ſechſten Juli. Da er ſei⸗ nen erhabenen Poſten faſt gratis und mit Treue und Gewiſſenhaftigkeit verwaltet, ſo drückte der Rath ob der ſonderbaren Melancholie des Mannes ein Auge zu. Auch ſämmtliche Ehefrauen von Neukirchen be⸗ finden ſich auf Seiten des Thürmers. Er gilt ihnen als Muſter eines guten Wittwers und wird den re⸗ ſpectiven verehelichten Neukirchnern oft als Beiſpiel angeführt. Der ſeltenen Treue geſchieht faſt in jeder Gardinenpredigt Erwähnung und manche Neukirchnerin machte ihrem Ehegemahl zum Vorwurf, daß er ihren Tod nicht wie Sperrhaake jahrelang beduten werde. Warte es nur ab, mein Kind, iſt in der Regel die beruhigende Antwort des Eheherrn,auch Du ſollſt Dich über mich nach Deinem Ableben nicht zu bekla⸗ gen haben.

Wir ſteigen etwas tiefer und kommen in das erſte Stockwerk des Rathhauſes zu Neukirchen. Hier herrſcht wie recht und billig in ſeiner amtswürdigen Autorität der Bürgermeiſter Hans Chriſtoph Nachtigall mit ſei⸗ nen zwei beſoldeten und drei gehaltloſen Senatoren. Gleich daneben befindet ſich das Stadtgericht, woſelbſt der Stadtrichter Kleinſimon mit einem Actuarius und einem Sportelſchreiber für das quid juris von Neu⸗ kirchen die erforderliche Sorgfalt trägt.

Obſchon das Städtchen Neukirchen von der übri⸗ gen Welt ziemlich abgeſchieden liegt, iſt es doch von den politiſchen Wehen des bekannten Jahres 1830 nicht ganz verſchont geblieben. Wie in den meiſten