Teil eines Werkes 
6. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 1. Theil (1853)
Entstehung
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zu ihrer Zeit vielleicht berühmten Sonnenuhr keine Spur mehr zu entdecken iſt.

Die uralten Linden gereichen dem ganzen Markte und insbeſondere dem Rathhauſe zu nicht geringer Zier. Sie bilden im Frühling und Sommer ein ſchattend dunkelgrünes Gewölbe, unter welchem in ſchwülen Tagen eine wohlthuende Kühle herrſcht und wo ein Glas echten Stadtbiers doppelt angenehm mundet.

Obſchon die Neukirchner dieſen Linden ſeit urdenk⸗ lichen Zeiten ſehr zugethan geweſen und namentlich nach des Tages Laſt und Hitze gern darunter verweilen, ſind ſie in neuerer Zeit ſogar ſtolz darauf geworden, da ſelten ein Fremder die Stadt verläßt, ohne un⸗ ter den ehrwürdigen Bäumen geraſtet und ſich von der ſchmucken Kellnerin des Rathskellers, auf den wir bald näher zu ſprechen kommen, einen friſchen Trunk ha⸗ ben reichen zu laſſen.

Wir kommen jetzt auf einen ungleich wichtigern und intereſſantern Theil des Neukirchner Rathhauſes, nämlich auf deſſen verſchiedene Inwohnerſchaft.

Von dem Thürmer, Siegfried Sperrhaake, den man in Ermangelung des Thurmes ein Stübchen im oberſten Giebel eingeräumt hat, iſt im Grunde wenig zu berichten, als daß von ihm das Gerücht in der Stadt geht, es rapple zuweilen mit ihm. Namentlich tritt die geiſtige Beſchränktheit in den Sommermvna⸗ ten unverkennbar hervor, wo ihm die Sonne faſt über dem Kopfe ſteht und wo er in Anfällen von Schwer⸗ muth das Sprachrohr ergreift und in die Stadt hin⸗ abdutet. Am Sterbetage ſeiner ſeligen Frau, den ſechſten Juli, iſt dieſes Conzert kaum auszuhalten. Dann heult der einſame Sperrhaake von früh Mor⸗

gens bis in die Nacht ſeinen gerechten Schmerz in