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Menſchen. Schon oft war von den menſchenfreund⸗ lichen Bewohnern von Neukirchen der Wunſch ausge⸗
ſprochen worden, den Thurmſchlott zu erweitern und
die Frau herabzuholen; aber die Operation war mit zu viel Gefahr für die architectoniſchen Stützen des Thurms verbunden, als daß der damalige Bürger⸗ meiſter George Kienmayer, ein gar geſtrenger Herr, ſeine Einwilligung hätte geben ſollen. Nun wurden Stimmen laut für gänzliche Abtragung des Thurmes; aber auch davon wollte Herr Kienmayer nichts wiſ⸗ ſen. Erſt nach ſeinem Tode drang der allgemeine Wunſch der Stadt wegen Befreiung der Frau Beata Süßmilch in der Rathsverſammlung durch und der ſtolze Thurm mußte ſein Haupt neigen als ehrend Zeugniß für die menſchenfreundlichen Geſinnungen der alten Neukirchner.
Nächſt der beſprochenen Uhr beſitzt das alte Rath⸗ haus noch einen andern Zeitmeſſer, eine Sonnenuhr, die aber weit weniger ihrem Zwecke entſpricht, als ihre Collegin. Der Künſtler hat nämlich in dem Wahne geſtanden, der würdigſte Platz für ſeine Son⸗ nenuhr ſei kein anderer, als die Hauptfacade des Rath⸗ hauſes. Unglücklicherweiſe bildet dieſe Hauptfacade aber gerade die Mitternachtſeite, wohin das ganze Jahr keine Sonne kommt, außer in den längſten Tagen, nämlich vom ſiebzehnten bis fünfundzwanzigſten Juni, und auch da nur täglich eine halbe Stunde. Zu⸗ gleich hat der wackre Meiſter nicht bedacht, daß die Lindenbäumchen, welche man in einiger Entfernung um das Portal des Neukirchner Rathhauſes gepflanzt
hatte, mit der Zeit groß werden und ſich mit ihren Aeſten ausbreiten würden. Die ganze vordere Rath⸗ hausfronte iſt in der Länge der Jahre dermaßen von den himmelhohen Linden bedeckt worden, daß von der


