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fall gekommen der für den ſiebenten Glockenſchlag be⸗ ſtimmt war. So ſchlägt es auf dem Neukirchner Rathhauſe alle Morgen und Abende, die Gott werden läßt, zwei Stunden hinter einander ſechs Uhr, iſt es Acht, ſo ertönen abermals ſechs Schläge; dann folgt eine Pauſe, wo man ſich den ſiebenten Schlag hineindenken muß, und hierauf erſt erfolgt der achte Schlag. So lange die Neukirchner zu denken vermögen, die älteſten Leute nicht ausgenommen, kann Niemand ſich erinnern, es auf dem Neukirchner Rath⸗ hauſe je ſieben Uhr haben ſchlagen zu hören. Er⸗ fahrung und Gewohnheit thun indeß viel im Leben. Die Bewohner von Neukirchen wiſſen ſich recht gut in die Launen ihrer Rathhausuhr zu finden; ſie ſind damit aufgewachſen und groß geworden; ſie wiſſen trotz des ausgebrochenen Zahnes und der mangelhaf⸗ ten Schelle auf's Genaueſte, wie ſie in der Zeit le⸗ ben, ohne daß es dazu beſonderer Reductionstabellen bedürfte.
Einige Chronikenſchreiber von Neukirchen behaup⸗ ten, mit dem Abtragen des Rathhausthurmes habe es eine andere Bewandtniß gehabt, als die oben er⸗ wähnte. Nicht die Baufälligkeit des Thurms ſei Schuld geweſen, ſondern die ehrſame Frau Beata Süßmilch, welche auf den Thurm geheirathet. Nach einer glücklich überſtandenen Krankheit ſoll die Thür⸗ merin ganz unverſehens außerordentlich ſtark gewor⸗ den und am Leibe zugenommen haben, ſo daß, als ſie eines Tages habe hinabſteigen wollen zu der men⸗ ſchenbelebten Stadt, um einige Einkäufe zu beſorgen, der Thurmſchlott plötzlich zu enge geweſen. Von die⸗ ſer Zeit an habe Frau Beata Süßmilch nicht weni⸗ ger denn zehn Jahre auf dem Thurme geſeſſen, in
beſchaulicher Einſamkeit, hoch über dem Leben der


