Teil eines Werkes 
6. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 1. Theil (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

ges, rühriges Völkchen, das ſich größtentheils von Woll⸗ und Leinweberei nährt. Auch gibt es wegen der Nähe des Waſſers und der bequem gelegenen Wie⸗ ſen zahlreiche Wachsbleichen.

Die Lage der Stadt kann nicht angenehmer in die Augen fallen. Die ſüdliche Seite grenzt mit ihren Gärten faſt unmittelbar an die Werla, nur ein ſchma⸗ ler Wieſenrand trenüt von derſelben; während die nördliche Hälfte maleriſch am Fuße des Burgberges ſich hinziecht. Häuſer und Straßen ſind reinlich ge⸗ halten, und der größere Theil der Stadt gehört ſeit dem großen Brande im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts dem beſſern Geſchmacke an. Die Häuſer nicht hoch ſelten erblickt man eins von zwei Ge⸗ ſtocken aber regelmäßig gebaut, gewähren einen freundlichen Anblick.

Außer ſeinen fünfhundert Häuſern und den zwei Kirchen beſitzt das Städtchen ein Amtsgebäude, ein Rathhaus und eine erſt vor wenigen Jahren erbaute Stadtſchule

Das Amthaus, auch das Schloß genannt, ſehr romantiſch an der Werla gelegen, hat vor mehren Jahrhunderten ſelbſt der landesfürſtlichen Familie eine Zeitlang zum Aufenthalte gedient, ein Umſtand, auf welchen ſich die guten Neukirchner noch heutzutage et⸗ was einbilden. Dermalen würde es dem Landesherrn wohl kaum in dieſem Schloſſe gefallen. Die ehemali⸗ gen fürſtlichen Gemächer ſind in Acten⸗ und Epxpedi⸗ tionszimmer, ja ſelbſt in Gefängniſſe umgeſchaffen und die noch wohnlichen Räume hat der Amtmann Löffler nebſt zwei Aetuarien und dem übrigen Amtsperſonale in Beſitz genommen.

Das bei weitem ehrwürdigſte Gebäude von Neu⸗

n

n li1

kirchen, theils wegen ſeines alterthümlichen Aeußern,

1