Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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Armer Teufel, ſprach er,Brod hab' ich nicht, aber da, kauf Dir welches.

Mit dieſen Worten warf er dem Bittenden meh⸗ rere Goldſtücke in die erſtarrten Hände und eilte da⸗ von, um das ihm zulächelnde Glück von Neuem zu verſuchen.

Thränen ſtürzten dem glücklichen Knaben aus den Augen, ſo reich, ſo unermeßlich reich war er im Leben nie geweſen. Er ſprang auf, um die Worte ſeines Wohlthäters in Ausführung zu bringen und Brod und Holz zu kaufen. Bald hatte er den Palaſt im Rücken und eilte die kalte öde Straße dahin. Der Gedanke, ſeine Lieben bald ſpeiſen und erwärmen zu können, ſtärkte ſeine todtmatten Glieder. Er langte außer Athem bei dem kleinen Kramladen an, wo ſeine Familie ihre geringen Lebensmittel mit wenigen Kreu⸗ zern zu kaufen pflegte aber ach, Alles verſchloſſen. Vergebens klopfte und rüttelte die ſchwache Hand lange Zeit an dem Laden. Es war bereits zu ſpät Niemand öffnete. Eiſig wehte die Nachtluft. Die Mitternachtsſtunde hallte von den Thürmen: Thevdor war in Verzweiflung noch mehre Straßen auf⸗ und abgelaufen. Alle Häuſer, wo am Tage Brod, Fleiſch und Holz in reicher Menge zu finden, waren finſter und verſchloſſen. Die Bewohner lagen im tiefen Schlafe. Rufen und Klopfen vergeblich. Was half dem Armen ſein Gold und ſein Reichthum!

Mit der erſten Morgenſtunde erreichte die Kälte

eine furchtbare Höhe. Der Athem gefror vor dem Munde und Theodor erreichte nach langem vergebli⸗

chen Umherirren halb todt die Wohnung.

Als er in das ärmliche Stübchen trat, war die

Lampe erloſchen und rings herrſchte tiefes S t Mutter und Schweſtern ſchlummerten.