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gingen mit dem Golde um, als ſeien es eben Rechen⸗ pfennige und wenn dieſer oder jener der Spieler Hun⸗ derte von Louisd'oren verloren, kehrte er, als ſei nichts geſchehen, nach den Ballſälen zurück. Faſt ſämmtliche Gäſte gehörten dem ſehr reichen Adel an.
Die Winternacht ward immer grauſiger, die Kälte erreichte eine furchtbare Höhe, die Sterne funkelten doppelt hell durch die eiſige Atmoſphäre. Das gaf⸗ fende Volk vor dem Palaſte hatte ſich verlaufen und die Wachen waren eingezogen worden.
Dem Hötel des Grafen Stanislaus ſchräg gegen⸗ über') ſtand ein halbverfallenes hüttenartiges Häuschen, wo die bitterſte Armuth neben Schmerzen und Herze⸗ leid ihr Lager aufgeſchlagen hatte. Unheimlich pfiff der Nordwind durch die übelverwahrten Fenſter, und das ſchwache, dem Erlöſchen nahe Licht einer Lampe beleuchtete ein Bild des höchſten Jammers. Auf ärm⸗ lichem Strohlager lag die todtkranke Mutter und da⸗ neben knieten zwei blaſſe Engel, die eilfjährige Marie und das fiebenjährige Klärchen. In dumpfem Schmerze ſaß in der Ecke der vierzehnjährige Theodor. Das ſchwache Feuer in dem Windöſchen war längſt erloſchen, die letzte Kohle verglommen; immer grimmiger drang die Kälte der Winternacht in die Wohnung. Den ganzen Tag war kein Biſſen Brod in's Haus gekom⸗ men. Vergebens waren Marie und Theodor frierend durch die Straßen und bewohnten Zirkel der Stadt geſchlichen; keine mildthätige Hand hatte ſich geöffnet. Von Kälte erſtarrt, von Hunger gepeinigt, waren die vaterloſen Waiſen mit gefrorenen Thränen zur armen
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*) In einigen nordiſchen Hauptſtädten findet man nicht ſelten unmittelbar neben den prachtvollſten Paläſten die ärm⸗ lichſten Hütten.


