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verborgene Orcheſter, welche charakteriſtiſche Melodien aufſpielten.
Einen nicht minder intereſſanten Anblick als die maleriſch decorirten Säle gewährte aber das geladene Ballpublikum und namentlich der weibliche Theil. Die ſchönſten Blumen der nordiſchen Reſidenz ſchweb⸗ ten zephyrartig in Gaze und Spitzen hin und wieder und die zarten in Atlas gekleideten Füßchen ſchienen den Fußboden kaum zu berühren. Die Herrenwelt beſtand größtentheils aus jungen vornehmen Edelleuten in ſtattlichem Balleoſtüm, ſo wie aus Officieren der Garde, deren geſchmackvolle Uniformen weithin durch die Säle funkelten und leuchteten.
Der Graf Stanislaus, ein Muſter männlicher Schönheit und vollendeter Cavalier, in die maleriſche Nativnaltracht ſeines Vaterlandes gekleidet, war über⸗ ſäet mit Diamanten und an ſeinen Fingern funkelten Ringe von unſchätzbarem Werthe.
Aber nicht blos für das Auge und das Ohr waren Ergötzlichkeiten in reichem Maße geboten, auch für die Befriedigung des Gaumens war überſchwenglich geſorgt. In zahlreichen Büffets, bald in Grotten, in Kiosks, in Lauben reizend angebracht, ſtrömten die ſeltenen Weine ſüdlicher Zonen, und Koch⸗ und Zucker⸗ bäckerkunſt hatten Alles aufgeboten, den eigenſinnig⸗ ſten Gourmand zufrieden zu ſtellen.
Es herrſchte ein verklärtes Leben in den Aparte⸗ ments des Grafen Stanislaus. Ueberall Heiterkeit und Frohſinn, Scherz und Laune. Nur hinter den Sälen des Morgenlandes hatte eine finſtere Leidenſchaft ih⸗ ren Sitz aufgeſchlagen. Hier, ganz verſteckt der übri⸗ gen Ballwelt und nur den Eingeweihten bekannt, hielt der italieniſche Graf Fiorello Pharaobank. Tauſende wurden gewonnen und verloren. Bank und Pointeurs


