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ſchüttelte. Graf Stanislaus war einer der Erſten, welcher mit ungeheuerm Koſtenaufwande die ſpäterhin ſo beliebt gewordenen Wintergärten in's Leben rief.
Trotz der wohlthuenden Wärme war nirgends ein nordiſcher Ofen zu erblicken; vermöge einer höchſt ſinn⸗ reichen Luftheizung wurden die Räume des ganzen Palaſtes in einer ununterbrochen angenehmen Tem⸗ peratur gehalten. Der erfinderiſche Graf hatte über⸗ dies die intereſſante Einrichtung getroffen, daß man in den an einander grenzenden Sälen und Gemächern eine Wanderung von vielen hundert Meilen inner⸗ halb einer halben Stunde machen konnte. In den zunächſt dem Eingange gelegenen Zimmern blühten die Blumen des mittlern Deutſchlands. Schritt man weiter, erſchloſſen ſich die Glocken und Kelche eines ſüdlichern Himmels. Hier und da leuchtete ein Gra⸗ natapfel im dunklen Laube. Man durchwanderte die kältere Region der Alpen, immer ſparſamer ward die Vegetation, bis ſie endlich erſtarb und nur hier und da eine einſame Alpenblume zurückließ. Bald aber ward es wieder wärmer, die Ausſicht erweiterte ſich, in der Ferne glänzte der blaue Meeresſpiegel und der erſtaunte Wanderer befand ſich im Himmelsſaal Ita⸗ lien, im Lande der Orangen und Madonnen, im Lande des„dolce kar niente“ und der Mollaccorde Bellinis. Durch einige Nebengemächer gelangte man in das klöſterlich⸗ſtille Spanien; Guitarrenklang zitterte durch die Ruinen Alhambras. Da that ſich das Morgen⸗ land auf mit ſeinen Palmen und Minarets, mit ſei⸗ nem Roſendufte und ſeinen Lotosblumen. Vermöge n und kunſtreicher Benutzung der Perſpectiven ward die Täuſchung auf das Ueberra⸗ ſchendſte hergeſtellt. Den Zauber erhöhten künſtlich


