Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

E⸗ war eine wilde Winternacht. Unheimlich ſtrich der Nordwind durch die menſchenleeren Straßen; nur hier und da rollte eine wohlverwahrte Karoſſe über das gefrorene Pflaſter. Der junge, reiche und lebens⸗ luſtige Graf Stanislaus gab einen der glänzendſten Bälle der ganzen Saiſon; die Creme des Adels der Reſidenz war geladen. Der Palaſt des hohen Feſt⸗ gebers glich einem Feenſchloſſe. Weithin leuchteten die goldenen Perlen des prachtvoll illuminirten Portals in die Nacht und die Wärme der flammenden Pech⸗

pfannen und zahlreichen bunten Lampen verbreitete,

dem harten Winter zum Trotz, eine behagliche Atmo⸗ ſphäre rings um den ſchönen Palaſt. Die aufgeſtell⸗ ten Polizeiwachen hatten alle Mühe, die Volkshaufen zurückzudrängen, welche neugierig heranwogten, um ſich an dem ungewohnten Schauſpiele zu ergötzen. Gewährte aber der Palaſt des Grafen Stanislaus nach Außen einen bezaubernden Anblick, ſo überbot die Einrichtung ſeines Innern Alles, was man in dieſer Art zeither geſehen hatte. Die weiten, reich⸗ geſchmückten Säle glichen einem blühenden Garten Italiens. Die Wohlgerüche der Orangerien und ei⸗ ner ſüdländiſchen Flora durchdufteten die Räume und die glücklichen Beſchauer wurden faſt önnge an Zauberei zu glauben, wenn ſie des nordiſchen Himmels gedachten, der außen ſein eiſiges Haupt

11*