Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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ſie jüngſt fragte und ſie mir die Antwort ſchuldig geblieben. Ich nahte ihr ungeſehen und rief ſie leiſe bei ihrem Namen. Sie blickte auf und wollte fliehen.

Fürchte nichts, Eliſabeth! ſprach ich ſanft und ruhig. Ich habe mit Adalbert geſprochen und komme, um Abſchied zu nehmen.

Sie erbleichte und antwortete nicht.

Eliſabeth, was ſoll ich's verſchweigen, was Du weißt, und das ja keine Sünde iſt. Ja, ich liebe Dich, wie ſelten eine Sterbliche geliebt worden. Der Traum meiner Liebe iſt mehr ais Traum. Doch er ſprach: Störe meinen Frieden nicht! und gern, gern gehe ich.

Sie wandte das Geſicht abwärts und ſchwieg.

Eine Bitte noch, die letzte und heiligſte, Ge⸗ liebte meines Herzens ſchenke mir einen Mandel⸗ blüthenzweig.

Sie blieb regungslos und ſchwieg.

Und ich wiederholte: Eliſabeth, einen Mandel⸗ blüthenzweig.

Noch verharrte ſie einige Secunden da beugte ſie ſich nieder zu den rothen Blumen, brach einen Zweig ab und reichte mir ihn ſchweigend, mit ab⸗ gewandtem Geſicht.

Lange ruhten meine Blicke auf den purpurnen, ſeidenen Flocken, und das blühende, hochtheure Ver⸗ mächtniß ſchwörend zum Himmel hebend, rief ich:

Eliſabeth, noch heut' verlaſſe ich Buchenthal und komme nicht wieder; doch wenn in funfzig Jahren die Mandelbäume wieder blühen und ich noch wandle hienieden ja, dann will ich noch ein Mal einkeh⸗ ren in Buchenthal und, den treubewahrten Zweig nie⸗ derlegend, ſagen: Siehe, der Traum meiner Liebe war doch mehr als Traum!