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„Du haſt ja nicht geſündigt! ſprach er ſanft — der Sterbliche ſoll noch geboren werden, der den Flammen des Herzens zu widerſtehen vermöchte!
„Und wie einſt in trüben Augenblicken, wenn mich Verzweiflung überkam, tönte ſeine liebe, tröſtende Stimme. Je länger er aber ſprach, deſto klarer fühlte ich's, daß es doch noch etwas Höheres gebe, als jene ſeligſte der Leidenſchaften. Und der Himmel nahm ſich meiner wieder an, das edlere Selbſt ſiegte; mir ward ſo leicht, ſo frei, ſo wohl; ich fühlte mich reiner, edler, größer denn je.
„Noch heute reiſe ich! rief ich. Dieſer Ge⸗ danke, der noch vor Kurzem wie Furienlaſt mich er⸗ faßte, ſtand jetzt felſenfeſt.
„Ich heiße Dich ja nicht gehen!— ſprach Adal⸗ bert ſanft und ſeine Stimme zitterte vor innerm Schmerze.
„Noch heute reiſe ich, wiederholte ich, oder ich wäre nicht werth, daß mich die Erde trüge.
„Da umarmte mich Adalbert nochmals in ſprach⸗ loſer Rührung, preßte mich inniger denn je an ſein großes Herz; und unſer langjähriger Bund erhielt in dieſem heiligen Augenblicke die Weihe des Himmels.
„Noch eine Bitte, Adalbert! rief ich.
„Er ſah mich mit einem Blicke an, in welchem die volle Gewährung lag.
„Laß mich zwei Worte allein mit Eliſabeth ſprechen.
„Er reichte mir die Hand und ſprach voll ſanften Vorwurfs: Was frageſt Du?
„Und ich eilte hinab und ſuchte nach ihr, im Hauſe und Garten, lange vergeblich. Endlich ſchimmerte von fern ihr himmelblaues Gewand. Sie ſtand bei den blühenden Mandelbäumen, an derſelben Stelle wo ich


