Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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reich wie immer; dennoch war es nicht mehr der alte, ſeelenruhige, heitere Freund; ein unerklärliches Et⸗ was hielt die theuern Züge umſchattet. Mir entging nicht, wie er ſich Mühe gab, ſo heiter wie möglich zu erſcheinen. Ich wagte nicht, nach der Urſache die⸗ ſes geheimen Kummers zu fragen. Auch Eliſabeth befand ſich im Zimmer. Ich getraute mich nicht, zu ihr aufzublicken und zitterte, als ſie mir die Taſſe mit Kaffee bot. Adalbert erzählte von der geſtrigen Scene am Sterbebette. Der alte Landmann war in den letzten Stunden noch von Scrupeln und Zwei⸗ feln über ein Jenſeits geplagt worden und den Tro⸗ ſtesworten Adalbert's war es gelungen, daß er be⸗ ruhigt und lächelnd hinüberging. Nit letzter Kraft hatte die ſterbende Hand des Getröſteten dem Tröſter gedankt.

Als Adalbert ſchwieg, trat eine unheimliche Pauſe ein. Das Thema, welches der Freund berührte, hätte mir ehedem Stoff zu ſtundenlanger, begeiſtern⸗ der Rede gegeben; jetzt war ich nicht im Stande, ein Wort zu erwiedern, und Eliſabeth ſprach leiſe die zwei Worte:Wohl ihm. Die Unterhaltung ſtockte; die einſt ſo beſeligende Harmonie unter uns war ent⸗ flohen. Wo war das heitere, roſenlaunige Weib, das vor ein paar Tagen unſern kleinen Kreis ſo hold⸗ ſelig belebte? Es war gewiß; auch ſie fühlte ſich ſchuldig und war doch ſo ſchuldlos wie ein Engel des Himmels.

Die rothen Mandeln ſind auch dieſe Nacht auf⸗ geblüht! begann ich endlich.

Adalbert, welcher ſinnend am Fenſter ſtand, wandte ſich zu ſeiner Gattin und ſprach in liebevol⸗ lem Tone:

Eliſabeth, Deine Lieblinge, hörſt Du? Sie