Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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himmliſche Weib in meiner Bruſt empor. Den gan⸗ zen Tag konnte ich ſie allein ſprechen. Als der Abend kam, ſetzte ſie ſich unaufgefordert zu mir auf den Balkon. Adalbert war zu dem Sterbelager eines alten Landmannes geeilt, der ihn noch einmal zu ſprechen wünſchte. Sie erzählte von Juliens und Belmont's Liebe. So vertrauend war ſie noch nie geweſen. Mit himmliſcher Beredtſamkeit ſchilderte ſie das Engel⸗ herz ihrer Freundin. Oft traten ihr die Thränen in die Augen. Nach ihrer Beſchreibung war Belmont's Liebloſigkeit in der letzten Zeit allerdings nicht zu entſchuldigen. Sie kannte das ganze Verhältniß aus Juliens Briefen bis in die kleinſten Einzelheiten, und überzeugte mich endlich in dem Maaße, daß ich un⸗ willkürlich ausrief: So hat er ſie nie geliebt.

O ja, geliebt hat er ſie wohl! erwiederte leiſe Eliſabeth.

Dann war ſeine Liebe nur ein ſchöner Traum!

Eine lange Pauſe erfolgte. Da erhob ſie lang⸗ ſam und zögernd das große blumenhafte Auge. Ich ſchaute in einen ungeahnten Himmel; mein ganzes Weſen zerrann in Seligkeit; und ihrem Munde ent⸗ bebten die Worte: Traum? Wie bei Euch Allen; bei uns iſt ſie mehr als Traum.

Die letzten Worte ſprach ſie kaum hörbar. Bei mir aber brach die letzte Stütze meiner Kraft zuſam⸗ men. Ich ſank zu den Füßen des himmliſchen We⸗ ſens und hielt meine Hände betend zu ihr gefaltet. Eliſabeth! rief ich, mir ſelbſt kaum bewußt, hei⸗ liger Engel meines Lebens, o glaube mir, auch bei uns iſt ſie mehr als Traum!

Eliſabeth erhob ſich erſchrocken und entfernte ſich ſchnell. Ich wollte ihr folgen, als Adalbert, der von dem ſterbenden Landmann heimkehrte, in den

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