Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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beth. Thränen traten mir hervor. Ich wußte nicht, warum ich weinte; aber es waren Thränen des ſelig⸗ ſten Schmerzes. Von ſolch einem Weſen geliebt zu werden. O, der Gedanke war zu unermeßlich für eine Menſchenbruſt. Und ich hatte nur die heitern, roſenlaunigen Saiten ihres Gemüths erklingen hören. Gab es auch andere, tieferliegende?

Ich ſollte ſie kennen lernen.

Am andern Morgen hatte Adalbert eine kleine Landpartie nach einem romantiſch gelegenen alten Rit⸗ terſchloſſe veranſtaltet. Ich wandelte an ihrer Seite und immer tiefer, immer unverlöſchlicher prägte ſich ihr Bild in mein Herz; immer mehr verſchwand alles Andere außer ihr. Ich kämpfte mit Rieſenmacht, den Zuſtand meines Innern zu verbergen. Hätte ich meinem Herzen folgen wollen, ich wäre ihr zu Füßen geſun⸗ ken und würde Gott angefleht haben, daß dieſer Au⸗ genblick mein letzter ſein möge. Ich mußte auch voll⸗ kommen Meiſter meines Gefühls ſein; ſie ſchien nichts zu ahnen, blieb immer ſo freundlich und natürlich; und Adalbert war derſelbe gute und liebevolle Freund.

Zu Mittag fand ſich der Prediger des Orts und der Hausarzt zu Tiſche ein. Es waren angenehme und unterrichtete Männer. Man ſprach über dies und jenes; beſonders war es der Arzt, der das Ge⸗ ſpräch fortwährend belebte. Ich verſtand wenig da⸗ von. Mein Zuſtand glich dem eines Träumenden.

Der Nachmittag war wieder himmliſch. Ein Ge⸗ witterregen hatte den Garten erfriſcht. Ich ſaß bei ihr in der Laube. Der Beſuch wandelte mit Adal⸗ bert im Garten. Endlich gebot es die Schicklichkeit, daß ich mich der Geſellſchaft der beiden Gäſte nicht ganz entzog. Der Abend kam heran. In Schatten hüllten ſich Land und Wohnung. Ach mit den her⸗

Stolle, ſämmtl. Schriften. V. 10