Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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wart guter Menſchen erfüllt. Eliſabeth ſaß mir ge⸗ genüber am Fenſter. Wir ſprachen über Adalbert, den herrlichen Frühling, über die reizende Lage von Buchenthal. Ich hatte ſchon manche begeiſternde und beſeligende Momente verlebt, aber mich noch nie ſo innig wohl befunden, als in der einfachen, natür⸗ lichen Unterhaltung mit dieſem holden Weibe. Sie war durchaus nicht redſelig; aber man durfte dies oder jenes Intereſſe leiſ berühren, ging ſie verſtänd⸗ nißinnig und anmuthig darauf ein. Mir war es, als ſäße mein eigener guter Genius, reizend verkörpert, mir gegenüber. Was mich aber ganz ſelig ſtimmte, war, daß meinem Adalbert dieſer Engel geworden. Nur er, Niemand anderes, verdiente ihn, konnte ihn verſtehen und ſchätzen.

„Eliſabeth ſchlug mir einen Gang durch den Gar⸗ ten und Park vor. Ich wandelte an ihrer Seite die blühenden Beete und Rabatten entlang. Sie führte mich an ihre Lieblingsplätzchen. Alle Anlagen ver⸗ kündeten den finnigen Geiſt der Beſitzer.

„Endlich kehrte Adalbert zurück. Eliſabeth hatte einen Boten nach ihm geſchickt und zugleich die ſchönſte Ueberraſchung vorbereitet. In der Freude des Wie⸗ derſehens vergaß ich eine Zeit lang alles Andere. So wie aber der erſte Rauſch vorüber, ich im trau⸗ ten Geſpräche mit dem Freunde in einer Laube des Gartens ſaß und Eliſabeth ein Weilchen ſich zu uns ſetzte, heiter und roſenlaunig, da begann wieder je⸗ ner ſtille, allmächtige Zauber, wie ich ihn noch nie in Anweſenheit eines Weibes empfunden, mein gan⸗ zes Sein magiſch zu umſpinnen.

„Wir aßen das Abendbrot auf dem Balkon des Hauſes, von wo man eine erquickende Ausſicht über das Thal genoß. Zu beiden Seiten des geräumigen