140
Wir kriegen Beſuch! Da eilte ſie in das Haus zu⸗ rück. Ihr kamt endlich zum Hofthore herein. Der Chriſtian ging gerade über den Hof; Ihr ſpracht mit ihm.
„Ich fragte nach Adalbert— fuhr Andreas fort — und erfuhr mit Schrecken, daß er über Land und erſt am Abend zurückkomme; daß aber die gnädige Frau zu Hauſe ſei. Gern wär' ich jetzt zurückge⸗ kehrt und hätte meine Ankunft bis auf des Freundes Rückkehr verſchoben; aber Chriſtian, der nach meinem Namen gefragt, war bereits in's Haus geeilt, um mich zu melden. In wenig Augenblicken war er zurück und führte mich nach dem Empfangzimmer.
„Da ſtand ich, die Bruſt von den ſeltſamſten Ge⸗ fühlen beengt. Mein alter Fehler, allzugroße Schüch⸗ ternheit in Gegenwart junger, unbekannter Damen, erwachte mit Rieſenmacht— da trat aus einer Sei⸗ tenthür— Eliſabeth.
„Mit jener reizenden Natürlichkeit, wie ſie nur edeln, feingebildeten weiblichen Weſen eigenthümlich, und wodurch ſie bei hoher Ehrfurcht zugleich wohl⸗ thuendes Vertrauen in dem Unbekannten erwecken, empfing ſie mich. Fliſabeth war keine blendende Schönheit; aber eine jener poeſiereichen Blumen, wo die innere Schönheit in Haltung, Gang, Ton und Rede, im Lächeln und im Blicke unwillkürlich her⸗ vorblickt. Sie war gleichſam durchgeiſtet von An⸗ muth, ohne daß ſie es zu wiſſen ſchien. Was der Gattin meines Freundes aber einen unendlichen Zau⸗ ber verlieh, war die reizende Naivität der unlängſt verlaſſenen Mädchennatur, die in der jungen Frau von Zeit unbemerkt hervorlauſchte.
„Meine Befangenheit ging bald in jenes unbe⸗ ſchreibbar ſüße Vertrauen über, das uns in Gegen⸗


