Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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brannte ſtiller und klarer. In ſeinem großen Herzen wohnte die Liebe, ein Meer voll der unſchätzbarſten Perlen, aber es brandete nicht. Er ward mein En⸗ gel; er gab mir meinen Himmel wieder mit allen ſei⸗ nen Sternen. Flammte ich auf in Begeiſterung, er⸗ glühte ich enthufiaſtiſch für Großes und Herrliches, freute ſich Niemand mehr als er; doch zugleich hütete er die Flamme, daß ſie nicht ſchade, und das Alles, ohne mir wehe zu thun. Plagte mich kalter Zweifel, ward ich irre an einer Vorſehung und Unſterblichkeit, war Er es, der dem diſſonirenden Saitenſpiel die Stimmung wieder gab. Vor ſeinem klaren Blick zer⸗ floß Alles in ewige Harmonie; und Tod, Schmerz, Haß, Zwietracht, Mord waren ihm nur Diſſonanzen, unentbehrlich in der Symphonie des Weltchorals.“

Das Abendroth verglomm; es ward dunkler; vom weſtlichen Himmel blickte der Abendſtern. Hieronymus vernahm mit dem der unverdorbenen Jünglings⸗Natur eigenthümlichen Intereſſe die Erzählung des Großva⸗ ters. Die Gläſer der beiden Greiſe klangen an ein⸗ ander. Sie ſprachen kein Wort. Man wußte, wem der Toaſt galt. Andreas fuhr fort:

„So verlebte ich die zwei ſchönſten Jahre meines Lebens an des Freundes Seite auf der Hochſchule zu N. Adalbert trat nach einer glänzenden Prüfung in's bürgerliche Leben. Gerecht war der Schmerz der Trennung; aber der Briefwechſel, der entſtand, ſollte unſere Herzen nur inniger vereinen. In dieſen Briefen ſpiegelte ſich die große und ſchöne Seele meines Freundes ganz wieder. Oft überkam mich Schaamgefühl und Schmerz bei dem Gedanken, wie ich doch bei allem guten Willen und Streben ſo weit hinter meinem Vorbilde zurückſtehe.

„Ich übergehe einen Zeitraum, der, wollte ich ihn