Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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„Und wenn er auch blühte,“ fiel Heinrich eifrig ein,„mag er blühen, was thut es? Adeline, Du biſt ein aufgeklärtes Mädchen, haſt die trefflichſte Erziehung genoſſen, Du kannſt Dich einem Wahne nicht hingeben, der Dich zu den Ungebildetſten im Volke erniedrigt.“

„Ich glaube ja auch nicht daran,“ ſprach Adeline leiſe; aber ihre zitternde Stimme bewies nur zu gut das Gegentheil.

„Nun ſo werde ein Opfer des Aberglaubens und Pöbelwahns,“ rief Heinrich mit von Schmerz und Zorn erſtickter Stimme und verließ das Zimmer.

„Wie verkennt mich der Bruder,“ ſprach Adeline in Thränen ausbrechend, die den ſeidenen Wimpern entperlten.

„O vergib ihm,“ bat Pauline liebend und innig, „er meint es doch gut, wie heftig er ſpricht.“

„Wenn er eine Ahnung hätte,“ fuhr Adeline fort, „wie klar mein Tod vor mir ſteht, ſeit der Nachricht von dem blühenden Baume, wie mein ganzes Weſen davon durchdrungen iſt, wie ich ganz unwillkürlich fortwährend daran denken muß. O das iſt kein Aber⸗ glaube, kein Pöbelwahn, das iſt die Stimme Gottes, die mich zu ſich ruft.

Vergebens waren alle Gegengründe und Troſt⸗ ſprüche der Mutter und Schweſter.

Adeline hörte ſie mit milder, ſtiller Wehmuth an, widerſprach auch nicht— aber die Nähe ihres Todes blieb ihr deshalb nicht minder gewiß.

F

So wie der Doctor des Barons Haus verlaſſen hatte, ſah man ihn nach ſeiner Wohnung eilen, wo