Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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Locken nicht abſchneiden, wie ſich meine gute Clemen⸗ tine gefallen laſſen mußte, die an der Gehirnentzün⸗ dung ſtarb?

Wie ſprichſt Du wieder, entgegnete dieſe mit erſtickter Stimme,Du wirſt ja nicht ſterben, Du bleibſt bei uns, nicht wahr Pauline?

Pauline konnte vor Weinen nicht antworten.

Clementine ruft mich, ſprach die Kranke,ſie iſt jetzt Engel ach, ſie war es ſchon hienieden, und nächſt Dir und Paulinen meine innigſte Freundin. Bald ſind es drei Wochen, daß ſie von uns ſchied. Es war am Reformationsfeſt. O Mutter, eine Bitte, fuhr ſie nach einer Pauſe fort und ſtreckte die Hand zärtlich nach der Geliebten auslaß mich auch ſo im Sarge ruhen wie ſie. Den Sarg ausgeſchlagen mit himmelblauem Atlas, mein weißes Atlaskleid, den Blondenſchleier, den ich von der Generalin zum Ge⸗ burtstage erhielt und Blumen, ja auch recht viel Blu⸗ men, dann ſchlafe ich wie ſie.

Heinrich, wie tief er vom Schmerz für die kranke Schweſter ergriffen war, konnte bei dieſen Worten, die ihm wie Frevel klangen, ſeinen lauten Unwillen nicht zurückhalten. Sein heftiges Temperament ſiegte.

Adeline, frevle nicht, ſprach er im ſtrafenden Tone.

Erſchrocken blickte dieſe nach dem Bruder, der den Blick voll Wehmuth, aber ernſt auf ſie gerich⸗ tet hatte.

O meine Tochter, beſchwor ſie die Baronin, warum dieſe Todesgedanken, die Deine Geneſung ſo erſchweren. Und was Deinen Geburtsbaum betrifft,

ſo haben wir Dir ja verſichert, daß dem nicht ſo iſt. Willſt Du Deinen Eltern auch gar nicht mehr ver⸗

trauen?