Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Wieder glühte die Abendſonne über der erſtorbe⸗ nen Gegend, wieder ſaß Adeline am Fenſter, und ſchaute nach der ſinkenden, aber eine ſtille Heiterkeit hatte ſich diesmal über das holde Antlitz verbreitet und der Zuſtand der Kranken ſchien ſich der Geneſung zuzuneigen. Die Mutter nahte ſich leiſe und küßte ſie auf die Stirn.

Wie iſt Dir, meine gute Tochter? frug ſie ſanft.

O wohl, liſpelte das Mädchen und umſchlang die Mutter mit Innigkeit. Dann fuhr ſie nach einer Pauſe leis weinend fort:Wie bald hätte ich Dich verlaſſen müſſen!

Du ſtellſt Dir Deine Krankheit gefährlicher vor als ſie iſt, tröſtete die Mutter und ſetzte ſich auf den Stuhl neben ſie.

Täuſche mich nicht, ſprach Adeline,ach, ich war ſehr krank; doch fügte ſie frommgläubig hinzu, und blickte die Mutter voll Zärtlichkeit an,Gott wird helfen, nicht wahr?

Das wird er, meine gute Tochter, ſprach Frau von Eichberg, und trocknete eine Thräne aus den Augen.

Jetzt kam Pauline, die eben in's Zimmer getre⸗ ten, daher geſprungen und ſchlug lachend die Hände zuſammen.

Adelchen! rief ſie,unſer Geheimniß iſt ent⸗ deckt. Natürlich, mir darf ſo etwas nicht verborgen bleiben. Rück' ein wenig zu, Mütterchen, ich hol' mir einen Stuhl. Wir haben alle Dreie Platz. Nun, Ihr kennt doch den Bauer Kilian, der ſo köſtliche Ananaserdbeeren erbaut, von welchen er uns alle Pfingſten ein Körbchen voll zum Präſent macht. Adel⸗ chen, Du mußt ihn kennen, es iſt ja derſelbe, der uns