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lir kam ihm ſchon vor dem Gute entgegen, und die Beiden begaben ſich unverweilt nach dem Schloßgar⸗ ten. Sorgfältig verſchloſſen ſie die Thür hinter ſich und wandelten ſchweigend den langen Hauptgang, den eine Kaſtanienallee bildete, dahin.
„Ich habe oft von dem intereſſanten Naturſpiele gehört und geleſen,“ hub der Baron an,„aber es noch nie mit eigenen Augen geſehen.“
„Naturſpiel?“ ſeufzte der Verwalter,„wollte Gott es wäre dem ſo; aber gedenken Sie der Chronik und Adelinens Zuſtande.“
Hier blieb der Baron ſtehen und blickte den Ver⸗ walter lächelnd an.„Herr Felix, ich habe Sie für einen aufgeklärten Mann gehalten.“
„Was hilft alle Aufklärung,“ entgegnete dieſer, „daran haben aufgeklärtere Leute geglaubt als meine Wenigkeit, und ſagt nicht ſelbſt ein großer Dichter: Es gibt Vieles zwiſchen Himmel und Erde, wovon ſich unſere Philoſophie nichts träumen läßt?“ 5
Jetzt wandten ſich die Beiden links durch vine Seitenallee nach dem Familiengarten. Dieſer hatte ſeinen Namen daher, weil ein jedes Glied der Fa⸗ milie hier ſein niedlich umzäuntes Gärtchen hatte, welches alle Jahre von ihm ſelbſt beſtellt ward.
Kanm waren die Wanderer hinter der letzten Taxus⸗ hecke hervorgetreten, von wo man den Familiengarten bequem überſehen kann, als der Baron, ſeltſam ergrif⸗ fen, ſtehen blieb und ein unwillkürliches„Ach!“ ſei⸗ nem Munde entfuhr.
Rings hatte der Herbſtſturm in den Bäumen ge⸗ wüthet, daß ſie kahl daſtanden und licht und traurig die blätterloſen Zweige und Aeſte in die ſchöne blaue Herbſtluft hinausſtreckten— nur ein einziger, ein ſchlank gewachſener Kirſchbaum, ſpottete dem Erſterben
Stolle, ſämmtl. Schriften. V. 6


