der ganzen Natur und ſtand in wunderſchöner ſchnee⸗ weißer Blüthe, wie mit einem weißen Tuche überhan⸗ gen. Es war Adelinens Geburtstagsbaum.
„Bei Gott! ſeltſam,“ ſprach der Baron und ſchritt durch das herabgefallene Laub nach dem Wunderbaume, die ſeltene Erſcheinung näher zu betrachten.
„Es ſind bald vierzig Jahre,“ erzählte der Ver⸗ walter in trauerndem Tone,„daß juſt in derſelben Zeit der Baum von des Herrn Baron ſeliger Tante blühte. Nicht drei Wochen gingen in's Land, und man trug ſie zur Gruft. Bei der ſelign Urgroßmutter war daſſelbe Anzeichen, und gehen ir in der Chronik zu⸗ rück, ſo finden wir noch mehre Beiſpiele mit den heil⸗ loſen Bäumen. Auch lebt die Sage davon noch im⸗ mer im Munde des Volkes. Der blühende Baum verkündet allemal den Tod ſeiner Pflegerin vor näch⸗ ſtem Neumond.“
„Und doch nur Zufall,“ ſprach der Baron ernſt und ſinnend; doch gleich darauf, wie von einem in⸗ nern Gedanken erſchreckt, frug er haſtig:„Es weiß doch Niemand von der gegenwärtigen Blüthe?“
„Keine Seele,“ perſicherte Felix.
Der Baron verſank in tiefes Schweigen und ſprach nach einer Pauſe:„Allerdings, wenn Adeline in ih⸗ rem jetzigen Zuſtande von dem Mirakel erführe, dürfte die Chronik um ein Wunder reicher werden, welches, wie wahrſcheinlich die früheren alle, gleichwohl ſehr natürlich zuginge—“
Ein Geräuſch in der Taxushecke, das jetzt ver⸗ nehmbar ward, erſchreckte den Baron und Felir nicht wenig.
„Wenn wir belauſcht würden,“ rief Erſterer und ſprang zornig der verdächtigen Gegend zu. Feli eilte dem Baron nach, unter fortwährender Betheuerung,


