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In einem Lehnſtuhl am Fenſter ſaß die ſchöne kranke Adeline und ſchaute, die ſüßen Züge voll Weh⸗ muth und Trauer, hinaus in den brennenden Abend⸗ himmel. Zu ihren Füßen knieete die jüngere Schwe⸗ ſter Pauline und ſuchte die Kranke durch allerlei Scherz und Laune zu erheitern. Bruder Heinrich, der Student, lehnte leſend am andern Fenſter. Aber mit welcher Lieblichkeit, Anmuth und Naivetät die gute Pauline erzählte, und mit welch' rührender Herz⸗ lichkeit ſie die leidende Schweſter koſ'te und ſchmei⸗ chelte, ſo wollte es ihr nicht gelingen, den Schleier der Schwermuth von dem ſchönen Antlitze zu verban⸗ nen, und ein leiſes wehmüthiges Lächeln, das zuwei⸗ len die Züge der Kranken erheiterte, war der ganze Lohn für die ſorgſame Schweſter.
Indeß ſank die Abendſonne immer tiefer und die letzten Strahlen warfen ihren Roſaſchein verklärend über das Madonnenantlitz der Kranken.
„O wie ſchön biſt Du,“ flüſterte Pauline und küßte die Alabaſterhand der Schweſter; aber unver⸗ wandt blickte Adeline hinaus nach der untergegangenen Abendſonne.
„Auch die Sonnen ſterben,“ ſprach ſie ernſt und ſinnend.
„Wer ſpricht vom Sterben,“ rief Heinrich, der bei den Worten Adelinens ſein Buch zuſchlug und zu den Schweſtern trat, in ziemlich unfteundlichem und ſtrafendem Tone:„Adeline, ich werd' es dem Doctor ſagen.“
„Bruder,“ flehte ſanft Pauline und verdoppelte ihre Zärtlichkeit gegen die Schweſter: Heinrich aber ging finſter vor ſich hinmurmelnd im Zimmer auf und


