67
genſchein zu nehmen. Der Kerl wohnte jetzt präch⸗ tig, und ſchien ordentlich ſtolz auf ſein neues Quar⸗ tier, das gegen den armſeligen Stall im Gaſthofe be⸗ deutend abſtach. Er ſpitzte die Ohren, als er meine Stimme vernahm, und nahm mein Streicheln mit ge⸗ wohnter Behaglichkeit auf.
„Wir ſind in einen guten Hafen eingelaufen, mein Rappe,“ ſprach ich zu dem verſtändigen Thiere,„kannſt Dich freuen, es wird Dir hier nichts abgehen, weder an gutem Futter noch an guter Pflege.“
„Nach dieſer Unterredung mit dem Schwarzen machte ich mich wieder nach dem Herrnhauſe auf den Weg. Ich trat abermals in den blauen Saal. Him⸗ mel, da packte mich der böſe Genius der Eiferſucht von Neuem. In der einen Ecke ſaß mein neuer Freund, der Hauptmann, und neben ihm— Emilie. Ich rieb zu wiederholten Malen die Augen; ja, das war meine Emilie und keine andere. In meinen Adern begann das Blut zu arbeiten; ich wollte meinem Zorne wieder freien Lauf laſſen, als mich Jemand auf die Schulter tippte. Ich gucke mich um, wer malt mein Entzücken, vor mir ſtand Emilie.
„Gottlob!“ rief ich, erleichterten Herzens,„daß ich Euch Beide einmal beiſammen habe; aber, geſchätz⸗ tes Kind, welches iſt denn Malchen, Sie, die Sie hier vor mir ſtehen, oder die dort im Sopha neben dem Hauptmann?“
„Du Gottloſer,“ ſtrafte die vor mir Stehende, „kennſt Du Deine Emilie nicht mehr?“
„Dir trau ich gar wohl,“ war meine Antwort, „aber wenn dieſes Engelsbild doppelt in der Welt umherläuft, welches ſterbliche Auge vermag das rechte heraus zu finden?“
„Herzenskinder,“ fuhr ich in der Freude meines


