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Wolbrechts Seite. Das Erlebte hatte mich ſo er⸗ griffen, daß ich in der That nicht wußte, ob ich wache oder träume.
„Kaum waren wir in's Haus getreten und hat⸗ ten einige Zimmer durchwandelt, als wir in einem Saale Emilien erblickten, die, wie es ſchien, weinend am Fenſter ſtand. Mir fiel das Herz vor die Füße.
„Um Gotteswillen,“ frug ich leiſe den Alten,„iſt's denn Milchen oder Malchen?“
„Wolbrecht lächelte.
„Es iſt Emilie,“ ſprach er, und rief laut:„Emilie!“
„Dieſe wandte das Köpfchen, ihr thränenerfüllter Blick fiel auf mich; doch kaum hatte ſie mich erkannt, als ſie eiligſt davon ging. Ich eilte nach, holte ſie glücklich ein und fiel in höchſter Aufregung vor ihr nieder.
„Emilie, meine Emilie,“ rief ich in flehendem Tone,„wirſt Du, kannſt Du mir verzeihen?“
„Die Geliebte blieb erſchrocken einen Augenblick weilen, eine Purpurgluth überzog ihr Engelantlitz, dann wollte ſie von Neuem fliehen; doch wenn mich nicht Alles trog, zürnte ſie mir nicht. Dies gab mir Muth; ich faßte die theure Hand.
„Nicht eher, Einziggeliebte,“ fuhr ich beſchwörend fort,„darfſt Du von hinnen, bevor nicht Dein ſüßer Mund Verzeihung geſprochen ob meines wahnſinnigen Benehmens von vorhin. Ich ſah Deine Schweſter bei ihrem Bräutigam in der Laube, dies enträthſelt Alles und entſchuldiget Alles.“
„Als Herr Wolbrecht meine excentriſchen Epxcla⸗ mationen vernahm, trat er voller Verwunderung nä⸗ her. Emilie, von holder Scham übergoſſen, wußte nicht, was ſie beginnen ſollte und ſtand in reizender Verwirrung, mir trat aber das Herz auf die Zunge.


