Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

55

einen ſprachloſen Blick nach Emilien, und als ich hier erkannte, daß in dieſem ſüßen, engelhaften Antlitz alle, alle Liebe erloſchen war, kein Fünkchen der ein⸗ ſtigen Neigung darin glühte, war es klar, daß ich unter die verrathenen Liebhaber gehöre.

Dieſer Gedanke verwundete und empörte mich in gleichem Maße. Ohne ein Wort zu verlieren, als das zum Hauptmann gewendete:Wir ſprechen uns! riß ich mich los, und eilte wie wahnwitzig davon.

Erſt nachdem ich eine geraume Zeit durch Dick und Dünn, die Kreuz und die Quer gelaufen war, und mich mitten in einem dichten Buchenwalde befand, kam ich in ſo weit zu mir, über das verhängnißvolle Abenteuer die miſantropiſchſten Betrachtungen anzu⸗ ſtellen.

Emilie, Schlange! rief ich einmal über das andere den majeſtätiſchen Buchen zu,iſt ſo Etwas erhört worden zwiſchen Himmel und Erde! O Frauen, Frauen, falſches, heuchleriſches Geſchlecht! Ich habe es immer nicht glauben wollen, daß Ihr der grau⸗ ſamſten aller Verräthereien fähig wäret; es immer nur für verbrannte Phantaſie des überſpannten Dichter⸗ volks gehalten; aber jetzt, jetzt, hab' ich nicht den ſchlagendſten, überzeugendſten, entſetzlichſten aller Be⸗ weiſe?

Nachdem ich mich in etwas von der Verzweiflung erholt hatte, tauchte in mir das Gefühl des Haſſes und der Rache gegen die zeither geliebte Emilie auf. O, ich war zu Allem entſchloſſen, und in meiner Stimmung mit mir gar nicht zu ſpaßen.

Wohlan, ſprach ich und ein großer Racheplan war in meinem Innern aufgeſtiegen,wohlan, zu zeigen, daß ich auch ohne Dich, Du Falſche, Treu⸗