Röthe ergoß ſich über die Wangen; ſie klappte das Buch zu und ſtand ſchnell auf.
„Emilie, meine Emilie!“ jubelte ich lauter, eilte⸗ himmelſelig auf die Geliebte zu, ſank ſprachlos zu ihren Füßen und driückte die theure Hand an meine Lippen.
„Aber im Augenblicke fühlte ich die ſüße Rechte haſtig entzogen und die ehedem ſo ſanfte liebevolle Stimme ſprach in ernſtem, finſterm Tone:
„Mein Herr, wes ſicht Sie an? Hinweg, ent⸗ fernen Sie ſich.“
„Ich glaubte, nicht recht gehört zu haben, und ſchaute flehend empor; da fiel Emiliens Blick halb erſchrocken, halb voller Unwillen finſter auf mich, und in demſelben Augenblicke faßten mich ein paar Fäuſte mit ſolcher Energie an beiden Achſeln, daß ich wie behert aufſprang.
„Wir ſchießen uns!“ tönte es im tiefſten Baß, während die Fäuſte an meinen Achſeln unausgeſetzt fortſchüttelten.
„Ich drehte mich um, des argen Feindes anſich⸗ tig zu werden, der mich ſo unerwartet im Rücken angegriffen hatte. Da ſtand ein martialiſcher Garde⸗ hauptmann, mit energiſchem Schnauzbart und un⸗ heimlich funkelndem Blicke. Der Wütherich war einen halben Kopf länger als ich, und meine Wenigkeit ge⸗ hörte nicht zu den Kleinſten.
„Wie?“ fuhr der Unhold in ſchnaubendem Tone fort:„Sie zu den Füßen meiner— Braut?“
„Mit dieſen Worten ſollte die Schüttelung von Neuem beginnen, und zwar vorn an der Bruſt.
„Zu jeder andern Zeit würde ich ob ſolcher Be⸗ handlung kurz angebunden geweſen ſein; aber das Wort„Braut“ hatte mich wie gelähmt. Ich warf


