Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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Nicht ohne Bangen nahte ich mich dem herr⸗ ſchaftlichen Hauſe. Da dieſes rings von blühenden Parkgehegen umgeben war, mußte ich durch mehrere grüne, dunkle Laubgänge wandeln. Ich kam an rei⸗ zend gelegenen, von blühendem Jelängerjelieber und Jasmin umdufteten Lauben und ſchattenden Ruhe⸗ plätzen vorüber. Scheu und verlegen blickte ich bald hier⸗ bald dahin; überall fürchtend, daß mir die Jung⸗ fer Wolbrecht, das heirathbare Ideal meines Herrn Papa, entgegentreten werde 8

Obſchon der gregvorianiſche Kalender von durch⸗ aus keinem Sonn- und Feiertag etwas wußte, herrſchte doch in dem kleinen blühenden Paradieſe eine ſolche Sabbathſtille, als habe der liebe Gott ſo eben das herrliche Werk ſeiner Schöpfung vollendet, und ruhe, und die ganze Natur und Menſchheit mit ihm.

Ich ſchritt die mit röthlichem Sande ſauber be⸗ ſtreuten Gänge leiſe dahin und kam ganz unbemerkt dem ſtattlichen Herrnhauſe näher. Rur eine Hecke blühender Schneeballen verbarg mich noch. Ich paſ⸗ ſirte dieſe; Himmel, welch ein Bild ſtellte ſich da meinen Blicken dar! Ich vermeinte in die Erde zu ſinken; Boden, Bäume, Sträucher, Lauben, be⸗ gannen um mich zu tanzen, ich ſtand wie feſtgezau⸗ bert, trunken im en Anſchauen keine zehn Schritte vor mir, in der erſten Laube am Herrn⸗ hauſe, in die Lectüre eines goldgeränderten Alma⸗ nachs vertieft, ſaß meine Emilie.

Eine lange Zeit ſtand ich ſprachlos, die Hände gefaltet, im ſeligen Entzücken.Emilie, ſprach ich endlich leiſe, in liebeſüßeſtem Tone,meine Emilie!

Die Gerufene wandte ihr ſüßes, von blonden

Locken umwalltes Antlitz nach mir. Eine reizende