Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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Einſichten durch pflichtſchuldigſten Gehorſam Gerechtig⸗ keit widerfahren ließ. Er reichte mir die Hand zum Abſchied und bereits am folgenden Morgen trabte ich auf dem ſtattlichen Rappen in die ſchöne Welt hinein, die damals gerade in friſches Frühlingsgrün gekleidet war. Der ſonderbare Zweck meiner Reiſe beſtand ſonach nicht darin, mir eine Braut zu holen; ſon⸗ dern eine ſolche los zu werden. Dies ſchien in mei⸗ nem damaligen Zuſtande mit keinen großen Schwie⸗ rigkeiten verknüpft und darum trabte ich ganz wohl⸗ gemuth dahin.

Das Rittergut Lindenthal war ungefähr zwei Tagereiſen von dem Wohnorte meines Vaters ent⸗ fernt. Ich langte wohlbehalten an und mußte ge⸗ ſtehen, daß die Heimath der mir beſtimmten Braut ſehr reizend gelegen war. Ich konnte mich lange nicht ſatt ſehen an der herrlichen Gegend, die ſich im Frühlingskleide doppelt anmuthig ausnahm.

Wenn meine Jungfer Braut, dachte ich bei mir,eben ſo hübſch iſt, wie ihr Wohnort, könnte mein Papa doch recht haben, und ich that Unrecht, ſo voreilig über ſeinen Geſchmack hinſichtlich des ſchö⸗ nen Geſchlechts abzuſprechen.

Es wäre mir übrigens ganz und gar nicht lieb, fuhr ich, langſam den ſanften Abhang nach dem duf⸗ tenden Thale hinabreitend, in meinem Selbſtgeſpräche fort,wenn das Fräulein ſehr hübſch wäre. Einem reizenden Kinde den Korb zu geben, bleibt eine un⸗ angenehme Sache, und wäre man mit der Prinzeſſin Turandot verlobt. Ich wünſchte, ſie wäre häßlich, wie die Nacht; meinetwegen eine Hexe!

Unter ſolchen Betrachtungen wandelte mein ge⸗

treuer Rappe behaglich weiter, und brachte mich dem