die Brautfahrt nach Lindenthal. Uebrigens verhoff' ich, der Herr Sohn wird mit meinem Geſchmack zu⸗ frieden ſein. Die erwählte Jungfer Braut iſt die Tochter meines Univerſitätsfreundes Wolbrecht und ſo zu ſagen ein Engel. Die Sache iſt bereits in Richtigkeit gebracht.“
„So zu ſagen ein Engel. Das war bald geſagt; ich mochte auf dieſe Engelſchaft keine Häuſer bauen; denn geſtand ich meinem Herrn Vater auch alle mög⸗ liche Kenntniß und Unſicht in Betreff der Wahl ſei⸗ ner alten, aſchgrauen juriſtiſchen Rechtslehren zu, nimmermehr im Gebiete der Frauen und Mädchen.
„Aber,“ entgegnete ich von Neuem,„wenn mich nun dieſer ſogenannte Engel nicht mag?“
„Poſſen,“ ſprach ärgerlich der Papa,„die Toch⸗ ter meines Freundes iſt ein verſtändiges, folgſames Kind; der Wunſch des Vaters iſt die Pflicht der Tochter; ein Gleiches verhoffe ich von dem Herrn Sohne.“
„Ich kannte meinen Vater zu genau, als daß ich nicht hätte wiſſen ſollen, wie durch Widerſpruch bei ihm Nichts auszurichten war. Ich ſpielte daher, um ihn nicht noch mehr zu reizen, den folgſamen Sohn.
„Anſehen,“ dacht' ich,„kann ich mir die projer⸗ tirte Braut ſchon; ich komme bei dieſer Gelegenheit ein paar Tage von dem verwünſchten Actentiſche los.“ Zugleich beſchloß ich, bei Herrn Wolbrecht den geraden Weg zu gehen, ihm offen zu erklären, daß ich ſeine Tochter nicht heirathen könne, aus dem einfachen Grunde, weil ich eine andere liebe.
„Mein Herr Papa ſchien nicht unzufrieden, daß ich ſeinen weiſen Heirathsprojecten keine Oppoſition
entgegenſetzte, und als verſtändiger Sohn ſeinen höhern


