die goldne Fluth in der porzellanenen Terrine von Fri⸗ ſchem dampfte, hub er alſo an:
„Ich bin, meine Freunde, mit meiner lieben Emi⸗ lie, die uns ſo eben einen Punſch gebracht und die Sie alleſammt kennen, bald an die funfzehn Jahre verheirathet; und gleichwohl, Sie mögen es glauben oder nicht, bin ich dieſe Stunde nicht juriſtiſch über⸗ zeugt, ob dieſe meine Frau daſſelbe Mädchen war, die mein Herz einſt eroberte, die ich ſpäter als geliebte Braut heimführte, oder eine Andere. Meine Emilie zwar verſichert mir ſeit funfzehn Jahren, daß ſie je⸗ nes Mädchen und jene Braut geweſen; auch bin ich vollkommen beruhigt darüber, nur bin ich nicht voll⸗ kommen überzeugt.“
Als die Anweſenden ob dieſer Worte in laute Ver⸗ wunderung ausbrachen, fuhr der Amtmann in ſeiner Erzählung fort:
„Mein academiſches Triennium war vorüber, ich hatte oft ſtudirt, daß mir der Kopf rauchte, war da⸗ her in den Inſtitutionen und Pandecten ziemlich ſat⸗ telfeſt und konnte ohne großes Herzklopfen dem be⸗ vorſtehenden Examen entgegen ſehen. Als dieſer glücklich vvrüber, ward mir etwas freie Zeit, die ich nicht zweck⸗ mäßiger anzuwenden glaubte, als wenn ich mich ein wenig unter den Töchtern des Landes umſchaute. Ein altes Sprichwort ſagt:„wer ſucht, der findet,“ und ſo ward auch mir ſcharfſichtigem Candidatus Utriusque bald das beneidenswerthe Glück, unter der Flora der Univerſitätsſtadt eine Blume ausfindig zu machen, die mich vor allen andern anzog. Es war dies ein Mäd⸗ chen, das ich bei einer befreundeten Familie kennen lernte, wo es zum Beſuch anweſend. Ich glaube, es war meine jetzige Frau, meine Emilie, obſchon ich's nicht beſchwören kann.“ 3 „Unbeſorgt, mein Freund,“ ſprach lächelnd die


