ſuchte er jetzt nach der Thür zum Vorſaale. Nach mehren vergeblichen Verſuchen gelang es. Er eilte die Treppe hinab nach der untern Hausflur und ge⸗ langte auf die Straße.
Hier war Alles todt und erſtorben. Spärlich nur leuchteten die Lichtlein einſamer, vom Winde hin und her bewegter Laternen. Der Himmel war dunkel um⸗ hangen und zuweilen fielen einzelne Regentropfen.
Erasmus eilte, ſo ſchnell es ſeine Kräfte verſtat⸗ teten, die Straße entlang. Der Wind wehte in ſei⸗ nem unbedeckten, ſparſamen Haupthaare. Das In⸗ nere des Mannes zu beſchreiben, würde vergebens eine Feder verſuchen. Kein menſchliches Weſen be⸗ gegnete ihm. Als er das Ende der Straße erreicht. hatte, wendete er ſich links durch einige Seitengaſſen und gelangte auf die große ſteinerne Brücke des Fluſ⸗ ſes, welcher die Stadt in zwei Theile theilt.
Man vernahm das unheimliche Rauſchen der Wel⸗
1 len in der Tiefe; über Stadt und Fluß lag tiefe Finſterniß; auf der Brücke brannten nur noch einige düſtere Laternen.
Erasmus ſchritt haſtig die erſten Pfeiler entlang bis er an der Stelle war, wo das Waſſer ſich mit Gebraus durch die Brückenbogen zwängte und die Strömung des Fluſſes anzeigte.
Krampfhaft umklammerte die eine Hand des Ver⸗ zweifelnden den eiſernen Halter der Laterne, deren Flämmchen bereits erloſchen war; wild brauſten da unten Tod und Verderben; da entſpann ſich in ſei⸗ ner Bruſt ein nur minutenlanger aber fürchterlicher Kampf. Eine Stimme, die während ſeines ganzen Lebens geſchwiegen, war plötzlich erwacht und rief unaufhörlich:„Es lebt ein Gott, es gibt eine Un⸗ ſterblichkeit, eine Vergeltung, welche die Miſſethat


