Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

nach dem Vorfalle die Stadt verlaſſen hat; wahr⸗ ſcheinlich war er nur auf der Durchreiſe begriffen. Wie, fragte Seraphine leiſe und ward ſichtbar bläſſer,er ſollte ſich gar nicht mehr in der Stadt befinden? Gewiß, antwortete der Vater,er konnte ſonſt meinen Nachforſchungen mni entgehen. Ich kann das nicht 632 en, ſprach noch leiſer das Mädchen.

Warum nicht, fuhr erſterer ruhig fort;es thut mir zwar ſehr leid, ſein Schuldner bleiben zu müſſen; aber der brave junge Mang fühlt ſich durch das Bewußtſein ſeiner edlen That gewiß belohnt ge⸗ nug, wie weit ihn das Schickſal von uns entfernt.

Wäre er fort, ſprach nach einer Pauſe Sera⸗ phine in ſeltſamem Tone,o, es wäre nicht gut.

Der Vater ſtutzte und fragte:Wie ſo, meine Tochter?

Das Mädchen glich jetzt einer kleinen Heiligen. Sie blickte lange voll Liebe und Wehmuth zum Va⸗ ter auf, dann ſprach ſie mit einem Tone voll ſeliger Gewißheit:Gibt es einen Sterblichen, der Dich überzeugen könnte von einer ſchönern Welt, von einem Engellande, einer Unſterblichkeit, ſo iſt Er es. 1

Erasmus lächelte und ſchwieg.

O, Vater, rief ſie und eilte, von ihrem Ge⸗ fühle überwältigt, in ſeine Arme,banne Deine troſt⸗ loſen Zweifel und unſeligen Beweiſe; Du biſt un⸗ glücklich, ich weiß es; glaube mir, fuhr ſie begeiſtert fort,ſo gewiß ich Dich hier in meinen Armen halte ſo gewiß ich Dich liebe, ſo gewiß ſehen wir uns einſt wieder, gewiß, gewiß, es lebt ein Gott, es gibt eiz Unſterblichkeit.

.

8