. 14 Paulinen nach unſerm Weinberge. Wir hatten kaum das Ende der Wallſtraße erreicht, als, ich weiß nicht wodurch, die Pferde ſcheu wurden, und in fürchter⸗ licher Schnelle dahin raſten. Johann ſtrebte verge⸗ bens, der unbändigen Thiere Herr zu werden. Wir ijagten in geſtreckter Carriere den Hirſchdamm entlang; der Wagen ſtieß an einen Haufen Pflaſterſteine; es war, als ſollte er in tauſend Stücke zerſpringen. Jo⸗ hann war vom Bocke geſprungen, die Zügel geriſſen. und wir zwei Mädchen der fürchterlichſten Todesangſt preis gegeben. Wir ſchrien um Hülfe, vergebens; ich ſah nur, wie alle Leute ſchon von fern den wü⸗ thenden Pferden aus dem Wege eilten. Da nahm das Geſpann ſeine Richtung nach dem engen Damme des Schwanenteichs. Von allen Seiten ſchrie man jetzt: Halt auf! Pauline lag wie todt im Wagen; der Waſſerſpiegel kam immer näher, mir begannen die Sinne zu ſchwinden; doch ſah ich noch, wie ein Menſch quer über die Straße eilte und den Pferden in die Zügel fiel; er ward ein großes Stück ge⸗ ſchleift; er ſchrie; es ſprang noch ein anderer Mann herbei, und man brachte die Pferde zum Stehen.
Der Schlag ward aufgeriſſen, jetzt erſt verlor ich das
Bewußtſein. ½
Der Vater athmete tief auf, drückte die Erzäh⸗
lerin ſtumm an ſich und küßte ſie auf die Stirn.
„Ja, Du haſt mich wieder,“ ſprach Seraphine und umarmte den Vater mit inniger Liebe.
„Und ich erfahre nichts von dem fürchterlichen Vorfalle?“ fragte dieſer..
„Der Buchhalter,“ ſprach Seraphine,„hatte Sorge getragen, daß Du nicht unnöthigerweiſe er⸗ ſchreckt würdeſt.“
„Aber wie ward es weiter?“ frug der Vater.


