Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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Er blickte lange ſinnend vor ſich hin.Alſo wirklich aus? Rein aus, ſo bald der letzte Athem⸗ zug vorüber? Was zweifle ich? Hundert Prozent gegen Nichts und gleichwohl lebt die Menſchheit in dem curioſen Traume. Es iſt gewiß, dieſe Lehre iſt von der Politik des Reichthums erfunden gegen die Armuth. Wäre die Maſſe des gemeinen Volkes nur halb ſo überzeugt, wie ich, es ſtünde übel um unſere Geldfäſſer. Auch Seraphinens Glaube ſcheint anbrüchig geworden; die unbefangene Natur iſt wahr⸗ ſcheinlich meinem Beiſpiele gefolgt und hat mit ihrem klaren Verſtande über die Sache nachgedacht.

Er hatte dieſe Worte kaum geſprochen, als Sera⸗ phine in das Zimmer trat, in ihrem ganzen Weſen ſeltſam verändert; es war nicht mehr das fröhliche Mädchen. Sie ging auf den Vater zu und ſank, ohne ein Wort zu ſprechen, weinend in ſeine Arme.

Was iſt Dir, mein Kind, fragte dieſer, von der ungewohnten Erſcheinung unwillkürlich ergriffen, und führte das Mädchen zum Sopha.

Sie ſchlug das Himmelsauge, aus dem ein wun⸗ derbares Feuer leuchtete, zu ihm empor; die Hände hielt ſie wie betend gefaltet.

Vater, ſprach das Mädchen in einem ſeelen⸗ vollen, gewißheitſeligen Tone,es gibt eine Un⸗ ſterblichkeit.

Dem Peter Erasmus ward immer wunderlicher zu Muthe; er forſchte ſchonend weiter. Sie blickte ihn aber unverwandt mit unendlicher Liebe an, um⸗ armte ihn wiederholt und ſchluchzte:Ja, es gibt eine Unſterblichkeit.

Endlich gelang es dem Vater, das Mädchen zum Erzählen zu bringen:Ich fuhr dieſen Nachmittag, ſprach ſie,wie Dir bekannt iſt, mit Siegwart's