Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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Da hätt' ich bald vergeſſen, weshalb ich eigent⸗ lich gekommen,, begann Seraphine,Onkel Friedrich hat geſchrieben, liebes Väterchen.

Schick den Wiſch zurück, entſchied Erasmus ſchnell und mürriſch.

Warum nicht gar! Die Botenfrau, die den Brief brachte, hat mir erzählt, daß der liebe Gott dem Onkel wieder ein niedliches Töchterchen ge⸗ ſchenkt hat.

Da haben wir's! rief noch zftii licher der Banquier,eine Bettelei, gib her den Brief.

Das laſſ ich wohl bleiben, ſprach determinirt das Mädchen,Du wärſt im Stande, den armen Leuten den Brief unerbrochen zurückzuſchicken.

Nach Recht und Pflicht, murrte der Alte.

Aber ſag' mir nur, begann Seraphine,was der gute Onkel, der es ſo himmliſch gut mit allen Menſchen meint, eigentlich verbrochen hat, daß Du ſo unbarmherzig mit ihm verfährſt?

Ich mag von dem leichtſinnigen Menſchen nichts wiſſen.

ige Weil er ſich durch ſein engelhaf⸗ tes Herz zu der unſeligen Bürgſchaft verleiten ließ und unverſchuldet in's Unglück gerieth?

Unverſchuldet?! rief Erasmus losbrechend,ein Menſch, der mit ſeinen fünf Sinnen eine ſolche Bingſchuft leiſtet, unverſchuldet?!

Väterchen, Du biſt recht garſtig. Wenn Du in ſeinen Verhältniſſen lebteſt, und er in den Deinen, wie anders würde er ſprechen.

Es iſt gut, daß es nicht ſo iſt.

Väterchen, Du erlaubſt es, ich erbreche den Brief?

Da Erasmus, mürriſch im Zimmer auf⸗ und ab⸗