Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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Die möglichſte Wahrſcheinlichkeitsrechnung hatte ihn in ſeiner langen Praxis immer den beſten Weg geführt. Er nahm daher vor der Hand den Satz als

wahrſcheinlich an, daß es keine Unſterblichteit gäbe,

und ſo ward ſein ſonderbares Beweisregiſter von Tag zu Tag länger. Eben ſtand er wieder am Fenſter und ſchaute auf

die Straße hinab, wo ein paar Holzhacker unermüd⸗

lich arbeiteten, ungeſchlachte Holzſtöcke zu durchſägen und klein zu machen.

Da plackt ſich dies Volk, ſprach er,Jahr aus Jahr ein, vom frühen Morgen bis zum Abend, nur um das jämmerliche Leben hinzubringen; und gleich⸗ wohl ſcheinen dieſe Leute froh und wohlgemuth; warum? ſie leben ſämmtlich der Ueberzeugung, daß auf das Plackleben eine Ewigkeit voll Milch und Ho⸗ nig folge. Thörichte Leute, thörichte Menſchheit, die ſich einem Glauben hingibt, ohne irgend eine ſichere Bürg⸗ ſchaft in der Hand zu haben.

Mich ſoll man nicht düpiren, fuhr er nach ei⸗ ner Weile fort.Ich habe mir da ein ſcharmantes Mittelchen erſonnen, der Sache auf den Grund zu kommen. Die Anzahl der Freier meiner Seraphine mehrt ſich ſichtbar; aber ſo wahr ich Peter Erasmus heiße, ſo wahr der Credit meiner Firma über allem Zweifel erhaben ſteht, ſoll ſie keiner bekommen, der nicht von einer Fortdauer überzeugt iſt und mir ge⸗ diegene Beweiſe vorlegt. Es hat doppelten Nutzen. Erſtens erhalte ich Gewißheit, und dann wird ein unſterblichkeitserfüllter Liebhaber das Mädchen nicht des Geldes und hübſchen Geſichts allein, ſondern auch wegen der unſterblichen Seele lieben. Daraus kann wahrſcheinlich nur eine glückliche Ehe hervor⸗ gehen.