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ſchienen nicht von erwünſchtem Erfolge geweſen zu ſein. Obſchon man Montreuil von Seiten der Re⸗ gierung auf keine Weiſe beläſtigte, ſo erfolgte doch auch nicht ein Schritt, der zu einer Annäherung hätte führen können; ein Umſtand, der den Stolz des alten Adeligen nicht wenig verletzte.
Nur Baptiſt, der auf Renouard's Verwendung die Gärtnerſtelle ſeines alten Vaters, der ſich zur Ruhe geſetzt hatte, erhalten, war heiter und guter Dinge. Er warb um Herz und Hand der hübſchen Ninon, welcher er jetzt als gereiſter Mann weit mehr zu imponiren wußte, als früher. Seiner liebenswür⸗ digen Beharrlichkeit gelang es auch endlich, beides zu erhalten. Er hatte daher wohl alle Urſache, ſich ſei⸗ nes Lebens zu freuen.
Erſt als die kalten, feuchten Winterwolken ſich verzogen und der Himmel wieder blau und warm auf die ergrünenden Berge der Provence herabſank, die Nachtigallen in den Wäldern zu ſchlagen begannen, und die Roſen, welche Camille und Clemence auf Seraphinens Grab gepflanzt hatten, die goldnen Au⸗ gen aufſchlugen und zur Freude aufforderten, erſtarkte das betrübte Herz Camille's und er ſchloß die Ge⸗ liebte inniger in die Arme. Er betrachtete ſie als ein theures Vermächtniß der Seligvollendeten; denn ſie hatte dieſe Liebe ja geſegnet.
Es war ein wunderſchöner Frühlingsabend, als Camille und Clemence von dem Grabe Seraphinens, das ſie oft beſuchten, nach Saint Maurice zurickkehr⸗ ten. Wälder und Berge ſtanden im brennenden Golde, die Lerchen ſangen und von entfernten Dörfern er⸗ tönten die Abendglocken, welche die heimgegangene Sonne zur Ruhe läuteten.


