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nicht wiſſen, von wem die Hülfe kommt, weil er ſie ſonſt nicht annehmen würde. Der wackre Notar Fer⸗ rand will mir noch heute Wechſel auf ein Toulvner Banquierhaus verſchaffen.
Den 15. Floréal.
„Es iſt gelungen. Der Brief iſt in ſeinen Hän⸗
den. Ich habe Camille unſichtbar umſchwebt und ihm das Schreiben ſelbſt zugeſtellt, als er in der Garten⸗ laube zu Saint Maurice ſanft ſchlummerte.
Toulon, den 25. Floréal.
„Dem Himmel ſei Dank, er hat das Geld er⸗ hoben. Welche Angſt hab' ich ausgeſtanden, daß er es unterlaſſen möchte. In Saint Maurice ſoll er ſich in die Tochter ſeines Vormundes verliebt haben. Man ſpricht das Beſte von dem ſchönen Mädchen. Mein Herz empfand einen jähen Schmerz bei der Nachricht; es war, als wenn ein ſchneidend Inſtru⸗ ment daſſelbe verwundete. Jetzt bin ich ruhiger. Wenn Clemence ihn nur den hundertſten Theil ſo liebt, wie ich, wird er glücklich werden. Seine Liebe ſei geſegnet.
Die Ricard's ſind vortreffliche Menſchen. Ich ſtand geſtern mit der einen Tochter vom Hauſe, einem reizenden Kinde, am Fenſter, gerade als Camille den Wechſel erhoben und nach Hauſe zurückkehrte. Seine Blicke ſchweiften an mir vorüber. Ich floh zurück. Er ſchien überraſcht. Ob er mich erkannt haben mag? Wie dem ſei, nimmer glaubte er mich in Toulon.
Den 28. Floréal.
„Mein Entſchluß iſt gefaßt, wie gewagt er er⸗ ſcheinen mag: Ich habe ein Mittel ausfindig ge⸗


