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unbekannten Leuten—? Trotz ihrer Abwehr bringt er der Mutter noch immer täglich eine Schale theuren Himbeergelés, welches ihr der Arzt erlaubt hat. O mein Vater im Himmel, gewähre mir die Gnade, daß ich für ihn ſterben darf!“
(Nach langwieriger Krankheit ſirbt die Mutter. Seraphinens Schmerz iſt grenzenlos; dazu ihre Kaſſe ſo erſchöpft, daß die Beerdigungskoſten nicht beſtritten werden können. Wieder iſt Camille der Retter. Er gibt ſich zugleich auf das angelegentlichſte Mühe, dem verlaſſenen Mädchen in einer achtbaren Familie ein anſtändiges Unterkommen zu verſchaffen; doch ſieht er ſie von dieſer Zeit an ſeltener. Seraphinens Liebe zu Camille gleicht einer heiligen Verehrung.
Bei den zunehmenden Rüſtungen erreicht endlich die Kriegsluſt in dem jungen Manne einen ſo hohen Grad, daß er nach Saint Maurice abreiſt, um bei ſei⸗ nem Oheim die Erlaubniß einzuholen, ins Feld zie⸗ hen zu dürfen.)
Den 30. Germinal d. folg. Jahres.
„Er iſt fort. Die Sonne iſt untergegangen. Mein Licht und Leben ſind erloſchen. O wär ich ſein Hünd⸗ chen, ich würde ihn ſo lange gebeten und geſchmeichelt haben, bis er mich mitgenommen hätte. Ich will mein Mütterchen beſuchen, mich auf ihren Hügel ſetzen. Vielleicht, daß ſie mich zu ſich nimmt.
Den 5. Floréal.
„Iſt es Traum, iſt's Wirklichkeit? Das Lotterie⸗ loos, welches mir Camille am Roſenfeſte zu Auteuil ſchenkte, ſoll ſechstauſend Franken gewonnen haben.
Den 6. Floréal
„Das Loos hat wirklich gewonnen. Es iſt ein Fin⸗ gerzeig vom Himmel. Ich eile ihm nach. Er wird Geld brauchen. Er ſoll Alles haben; aber er darf
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