Teil eines Werkes 
4. Band, Napoleon in Aegypten : 3. Theil (1853)
Entstehung
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dig. Camille meint zwar, es habe nichts auf ſich, aber mir iſt gleichwohl recht bauge. Es geſchehen wieder Kriegsrüſtungen. Camille erzählt täglich da⸗ von. Geſtern meinte er, wenn es ſeine Verhältniſſe erlaubten, zöge er gern mit. Mein Gott, wenn er fortzöge, was ſollte aus mir werden, die ich blos in ſeinem Anſchauen lebe, wie das Mücklein im Sonnen⸗ ſtrahl. Und gleichwohl kann er nicht ewig in Paris bleiben. Ich darf daran nicht denken. Den 4. Thermidor. Das iſt nun die dritte Nacht, daß ich bei der guten Mutter wache, die ſelten Schlaf hat. Da will denn die Arbeit am Tage gar nicht flecken. Es wird kaum die Hälfte fertig, und gleichwohl bedurfte ich des kleinen Verdienſtes nie ſo dringend wie jetzt. Ich habe den Arzt rufen müſſen; der hat Arznei verſchrie⸗ ben und manche andere Erquickung für die Kranke. Wenn nur der Tag noch einmal ſo viel Stunden hätte, da wäre doch eher eine Ausſicht, daß ich Etwas vor mich brächte. An Ausdauer ſollte mir's nicht fehlen. Du lieber Gott, wenn ich ſo die Nacht durchwacht und den Tag über gearbeitet habe, und mir der Kopf müde auf die Bruſt ſinkt, ſo iſt doch aller Schlaf ver⸗ geſſen, ſobald Er kommt. Er iſt mein Licht, mein Leben und ahnet nicht, wie ſich ein armes Weſen in ſeinem Strahle ſonnet.

Den 20. Thermidor.

Als ich geſtern den Arzt um die Rechnung bat, damit dieſelbe nicht zu hoch anlaufe, ſprach er:Un⸗ beſorgt, mein gutes Kind, das iſt Alles abgemacht. In der Apotheke ward mir dieſelbe Antwort. Ver⸗ gebens war all' mein Fragen. Wie erkläre ich dies? Sollte Camille, der ſein wenig Geld ſelbſt nöthig braucht? Und gleichwohl, wer ſollte uns armen,