Teil eines Werkes 
4. Band, Napoleon in Aegypten : 3. Theil (1853)
Entstehung
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noch auf der vorletzten Treppe iſt. Hätt' ich mir doch nimmer träumen laſſen, daß die Herren Studenten ſo ſtill und eingezogen zu leben vermöchten. Die Mut⸗ ter hält große Stücke auf Camille; das freut mich innigſt; ſie meint, ſolche ſolide junge Männer ſeien ietzt eine Ausnahme. Das glaub' ich auch.

Den 23. Floréal.

Oft denke ich jetzt bei mir:Ach, wenn Du doch reich wärſt oder eine wunderthätige Fee, wollteſt Du ihn mit Glück überſchütten, ohne daß er wüßte, wo⸗ her es käme. Auch wünſcht' ich, er geriethe in Ge⸗ fahr und ich könnte ihn retten mit Gefahr meines Lebens.

Den 6. Prairial.

Geſtern waren wir zum Roſenfeſte im lieben Auteuil bei unſerer freundlichen, alten Margareth, wo man für weniges Geld wirklich ein recht gutes Abendbrod bekommt. Camille begleitete uns dahin. Wir dinirten in der Jelängerjelieberlaube, unſerm Lieb⸗ lingsplätzchen. Das Abendroth ſpiegelte ſich in der Erdbeerkaltſchale. Es war himmliſch. Ich hatte unſern Freund nie ſo heiter geſehen. Die Stunden flohen vor⸗ über in roſenrother Schöne. Beim Abſchied an un⸗ ſerer Wohnung nannte er mich nicht Demviſelle, ſon⸗ dernSeraphine. Alle Glocken meines Herzens klangen wieder. Ich weiß mich eines ſchönern Tages in meinem Leben nicht zu erinnern. Welcher Selig⸗ keit iſt das Menſchenherz fähig!

Es folgen eine Reihe von Tageblättern, in welchen ſich Seraphinens Liebe für Camille immer glühender ausſpricht.)

Den 18. Meſſidor.

Ich weiß nicht, mein Mütterchen will mir ſeit einiger Zeit gar nicht gefallen. Sie kränkelt beſtän⸗

Stolle, ſämmtl. Schriften. 1V. 13