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Den 9. Floréal. „Wer nur unſer geſtriger Retter geweſen ſein mag? Mir ſchien es ein Student; er trug eine Mappe un⸗ term Arme. Ob ich ihn noch einmal wiederſehen werde? Ob er ſich wohl erkundigen wird, ob der Mut⸗ ter der Schrecken geſchadet? Seine Leutſeligkeit läßt das erwarten. Er muß freilich vier Treppen ſteigen. Wie ſehr ich wünſchte, daß er käme, ſo müßte ich doch ſchamroth werden, wenn er unſre Armuth ſähe. Aber wenn er auch nicht kommt, ein Engel bleibt er nichts⸗ deſtoweniger. Den 10. Floréal. „Er iſt wirklich dageweſen. Ich erſchrak zu Tode, als es heute anklopfte und er eintrat. Er unterhielt ſich ganz prächtig mit der Mutter, als wenn die Bei⸗ den ſchon längſt bekannt wären. Von Zeit zu Zeit that er auch an mich eine Frage. Ich muß ihm aber entſetzlich einfältig vorgekommen ſein; denn ich glaube kaum, daß ich eine geſcheute Antwort gegeben. Mein Herz zitterte beſtändig. Er blieb ganzer zwei Stun⸗ den. Ich mußte Thee kochen. Ich begreife nicht, wie er, gewiß ein lebensluſtiger junger Herr, in unſerm ärm⸗ lichen Stübchen es auszuhalten vermochte. Er hat um die Erlaubniß gebeten, uns von Zeit zu Zeit beſuchen zu dürfen. Mir iſt Alles wie ein Traum. Den 16. Floréal. „Camille Renvuard heißt unſer Engel; er ſtammt aus dem Süden von Frankreich und iſt in Paris, um die Rechte zu ſtudiren. Er iſt ganz und gar nicht reich. Mir iſt, ſeit ich das weiß, ein rechter Stein vom Herzen gefallen. Den 20. Floréal. „Camille beſucht uns regelmäßig einen Tag um den andern. Ich erkenne ſeinen Schritt, wenn er


