Teil eines Werkes 
4. Band, Napoleon in Aegypten : 3. Theil (1853)
Entstehung
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Und Ihr hättet es wirklich nicht gewußt? frug er, nachdem Camille ſich Etwas beruhigt hatte.

Was ſoll ich gewußt haben, frommer Herr?

Und Ihr hättet es wirklich nicht gewußt und auch nicht geahnet? fuhr der Geiſtliche mit beton⸗ terer Stimme fort.

Camille erhob ſein thränentrübes Auge zu dem Frager.

Ich verſtehe Euch wirklich nicht, ehrwürdiger Herr.

Der Prediger ſchaute Camille lange in das ſchmer⸗ zensreiche Antlitz.

Nein, ſprach er endlich mit bewegter Stimme,in dieſen Zügen wohnt kein Falſch. So vernehmt denn

Renouard ſchaute immer erwartungsvoller zum Sprecher auf. Der Geiſtliche fuhr in langſamem, be⸗ deutungsvollem Tone fort:

Der Engel, der für Euch geſtorben iſt, war ein Mädchen.

Wie? ſchrie Camille außer ſich,was ſagt Ihr?

War ein Mädchen, das Euch liebte; und nie wohl hat ſich des Weibes Liebe in ſchönerm Glanze gezeigt. Für Euch ſcheute ſie keine Gefahr, kein Opfer, für Euch ging ſie ſelig lächelnd in den Tod.

Unmöglich, unmöglich! rief Camille auf das Tiefſte ergriffen, einmal über das andere.

Ihr ſollt die Beweiſe haben, ſprach aufſtehend der Geiſtliche und trat zu einem Wandſchranke, aus welchem er ein Papierheft hervorlangte.

Hier iſt das einſtige Tagebuch der Seligentſchla⸗ fenen, fuhr Benediet fort;ich habe verſprechen müſ⸗ ſen, es in Eure Hände niederzulegen.

Wie ein theures Heiligthum empfing Renouard die von zarter Frauenhand beſchriebenen Blätter. Und zum Beweiſe, daß ich die Wahrheit rede,