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Bei reiner Luft breitet ſich ein unbegrenzter Horizont aus; das Auge verliert ſich ſowohl in der Wüſte, die an den perſiſchen Meerbuſen grenzt, als auf dem Meere, deſſen Wellen die europäiſchen Ufer beſpülen. Man glaubt, in einem Augenblicke eine ganze Welt zu umfaſſen. Die fortlaufanden Ketten der Berge lei⸗ ten den Blick von dem alten Antiochien bis Jernſalem. Haftet das Auge auf nähern Gegenſtänden, ſo entdeckt es zahlreiche Wälder, Klippen, herabſtürzende Ströme, Hügel und Seen, Dörfer und Städte. Zuweilen fügt ſich's, daß der Donner, der ſo lange über dem Haupte gerollt hat, unter den Füßen in den Schluchten ſeine Stimme vernehmen läßt. Ein alter Schriftſteller ſtellt ſogar die kühne Hyperbel auf, daß man vom höchſten Gipfel des Libanon die Abenddämmerung und Mor⸗ genröthe zu gleicher Zeit wahrnehmen könne.“
„Indeß mag ich mein Auge anſtrengen, wie ich will,“ verſetzte Nurmahal,„ich ſehe überall nur Ei⸗ chen, Tannen, Maulbeerbäume, Weinſtöcke, aber nir⸗ gends erblicke ich eine Spur von den ſo berühmten Cedern des Libanon.“
„Wie alles Große und Herrliche dem Zahne der Zeit unterliegt,“ erwiederte Camille,„ſo iſt es auch jenen weltberühmten Cedern ergangen. Der majeſtä⸗ tiſche Wald, den ſie einſt gebildet haben, iſt ver⸗ ſchwunden und die Anzahl jener großartigen Bäume iſt auf ein halbes Dutzend zuſammengeſchmolzen.“
Nurmahal, der ſich an den reizenden Bildern, welche die Natur rings umher aufgerollt hatte, nicht ſatt ſehen konnte, fand ſich zu dem Ausſpruche veran⸗ laßt, daß ihm Syrien weit beſſer gefalle als Aegypten.
„Es iſt hier Alles weit friſcher, fröhlicher, ma⸗ leriſcher als in dem alten trümmerreichen Aegypten,“ ſprach er,„wo der Staub der Wüſte die blühendſte Landſchaft in eintöniges Grau verwandelt.“


